Ginnheimer Blättche, Ausgabe Nr. 11, April 2001 - November 2001 I zurück I

Nicht nur zur Osterzeit: Ei, Ei
Dreisatzrechnen für die Grundschule: "Ein gutes Ei hat in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts so ca. 20 Pfennig gekostet, und niemand wurde damit reich. Damals verdiente ein Facharbeiter etwa DM 400,- brutto im Monat, heute bekommt er das Zehnfache. Wieviel kostet das Ei im Jahr 2001?" Wie ist es möglich, dass das Ei bei Massenanbietern weiterhin so um die 20 Pfennig zu haben ist? Auch eigentlich tierlieben und ehrlichen Menschen ist nicht unbedingt bewußt, dass das ein "faules Ei" sein muß.

Erkauft mit der Qual von Millionen Käfighühnern, die lebenslänglich mit bloßen Krallen auf einem Metallgitter stehen, das zukünftig auf das Maß einer DIN-A-4-Seite vergrößert (!) wird. Bewegung, Frischluft, natürliches Licht, Stroh, Scharren, Sandbaden - hühnerwürdiges Leben ist ausgeschlossen. Frühen Tod verhindert die tägliche Medikamentendosis, und die gibt die fast federlose Kreatur mit dem dünnschaligen 20-Pfennig-Ei gleich an uns weiter. Haben wir das nötig? Dürfen wir die Wehrlosigkeit der Tiere ausnutzen, nur um an billige Eier zu kommen?

Schon aus ärztlicher Sicht sollten wir nicht mehr als 1-2 Eier in der Woche essen. Die kann man dann aber auch richtig genießen. Lassen Sie sich den Geschmack eines echten Freiland-Eies mal auf der Zunge zergehen - dazu ein Vollkornbrot mit frischer Butter und das gute Gewissen, eine ehrliche Ware auch so bezahlt zu haben.

Die einfachen Dinge sind die köstlichsten. Das darf doch mal 50 oder 60 Pfennig kosten, oder?

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