Ginnheimer Blättche, Ausgabe Nr. 11, April 2001 - November 2001 I zurück I

Das TSV - Vereinsheim
Passagen aus der Festschrift des TSV Ginnheim 1878 zum 100jährigen Jubiläum im Jahre 1978 gewähren einen anschaulichen Blick in Ginnheimer Geschichte(n)

Die nazistische Machtergreifung vom 30. Januar 1933 war mit dem Anspruch einer totalen Unterwerfung des gesamten gesellschaftlichen Lebens und jedes einzelnen Staatsbürgers unter die Prinzipien der Hitlerpartei verbunden - auch wenn sie sich zunächst als "nationale Revolution" in Gemeinschaft mit anderen Rechtsparteien tarnte. Zu diesen Prinzipien gehörte die Beseitigung aller demokratischen Strukturen des gesamten gesellschaftlichen Lebens, wie sie insbesondere auch dem Vereinswesen eigen sind, und ihre Ersetzung durch das "Führerprinzip". Im Gefolge dieses als "Gleichschaltung" historisch bekanntgewordenen Durchdringungsprozesses kamen auch in den Vorstand des TV Ginnheim Mitglieder der NSDAP in einer außerordentlichen Generalversammlung am 20. Mai 1933. Die Vorstandsmitglieder waren fortan nicht mehr vom Vertrauen der Mitglieder abhängig. In den Übungsplan mußte das sog. Wehrturnen aufgenommen werden, wozu außer Schießen auch die Veranstaltung von Gepäckmärschen gehörte.

Mit Kriegsbeginn rückten wiederum die wehrfähigen Männer ins Feld. Ende 1939 waren 36 Mitglieder bei der Wehrmacht. Der ein-zige Lichtblick in einer trüben Zeit, wo wegen der Gefahr von Luftangriffen die "Verdunkelung der Turnhalle" Thema für eine Vor-standssitzung war, ist die Rückgabe des alten Vereinsnamens "Turnverein Ginnheim 1878" am 25. April 1940. Inzwischen wurde die nachgewachsene Generation, die mit dem Regime auf einem anderen Fuße stand als viele Ältere, aktiv, sodass für das Jahr 1941 wieder von einem regeren Turnbetrieb berichtet wird.

Die wachsende Zahl zwangsverpflichteter Arbeitskräfte aus den besetzten Gebieten Osteuropas, die grundsätzlich kaserniert un-terzubringen waren, führte zur Beschlagnahme von Räumen, die sich als Massenunterkunft eigneten. Für diesen Zweck verlor auch der TV Ginnheim am 22. Juli 1943 seine unter so vielen Opfern erworbene Turnhalle. Hier wohnten fortan 60 "Ostarbeiterinnen". Doch nicht lange. Bei einem der verheerendsten Luftangriffe, die Frankfurt im Zweiten Weltkrieg heimsuchten, wurde die Turnhalle von Brandbomben getroffen, die in der leicht brennbaren Einrichtung ergiebig Nahrung fanden. Die Ruine ist eine der verhältnismäßig wenigen in unserem Stadtteil gewesen, die der Krieg hinterlassen hat.

Das Ende des Zweiten Weltkrieges sah den Turnverein Ginnheim wieder einmal vor dem Nichts. Erneut trauerte der Verein um 14 Gefallene und zwei Vermißte. - Auszugs-Ende

Wer erinnert sich noch, wo die Zwangsarbeiterinnen beschäftigt waren, und was aus ihnen wurde?

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