Ginnheimer Blättche aktuell, Ausgabe Nr. 14 - November 2002 bis Ostern 2003 I zurück
Knochen, Kelten (?), Kirchen in Ginnheim I zu den Fotos I
Anregung: Arbeitskreis Geschichte beim NBZ
Im Frühjahr 2002 kamen beim Abbruch des alten evang. Gemeindehauses in der Woogstrasse 16 (Ecke Ginnheimer Mühlgasse, als Schulhaus erbaut im Kriegsjahr 1870) die Reste der historischen Maria-Magdalenen-Kapelle und eines Friedhofs zu Tage. Direkt an der Ecke von aussen sieht man einen Gedenkstein von 1604. Die Kapelle, etwa im 14. Jh. errichtet, war bis Ende des 17. Jahrhunderts Mittelpunkt der Gemeinde Ginnheim. Das Ortsgericht von "ehedem" fand im Freien unter einer großen Linde neben der Kapelle statt, auch ein Prangerstein war dort.
Jüngeren Datums dürfte der Brunnen sein, der sich an der Süd-West-Ecke hinter den Resten einer Mauer verbirgt. Er ist nur teilweise abgedeckt. Das früher dort geschöpfte Wasser ist wegen der dichten Bebauungen versiegt. Noch in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts versorgte die Lage zwischen Helgersberg und Niddatal Mensch und Vieh reichlich mit Quell- und Hangwasser.
Ruhen vielleicht noch mehr und ältere Zeugen der Ginnheimer Geschichte im Erdreich? Aus der Jubiläumsschrift von 1950 der evang. Bethlehemgemeinde, Ginnheim im Wandel der Zeiten, geht hervor, dass Ginnheim schon in der Vorzeit bewohnt war. Frühere Funde in der Gemarkung sollen nur unvollständig ausgewertet bzw. schnell überbaut worden oder in Vergessenheit geraten sein. Hoffentlich ergeht es den Funden von 2002 besser.
Zitat: Schon in der Steinzeit, ..., war unsere Gegend bewohnt. Das ist bewiesen durch Funde in Praunheim, Ginnheim und ... Man entdeckte in Kiesgruben und in den Lehmgruben der Ziegeleien allerlei Schmuckstücke, Halsketten aus Steinen, Knochen oder Tonperlen, Topfscherben mit Bandornamenten, Reste von Steinbeilen, Handmühlensteine u.a. Die Häufigkeit der Funde läßt auf eine verhältnismäßig dichte Besiedelung schließen. ... Auch Reste von Brandgräbern wurden gefunden (Ecke Raimundstr.-Hügelstr.). Man nimmt an, daß neben der in der Steinzeit üblichen Leichenverbrennung in der Bronzezeit auch die Körperbestattung vorgenommen wurde.
In der Eisenzeit - wohl um 500 v. Chr. - drangen die Kelten von Westen her in unsere Gegend ein. Von ihnen zeugen aufgefundene Reste von langen Eisenschwertern und phantasiereich verzierten Hals- und Armringen aus Bronze. Um 200 bis 100 v. Chr. wurden die Kelten von den Germanen über den Rhein in das heutige Frankreich zurückgedrängt.
Am 29.8.1700 wurde die Alte Bethlehemkirche an der Ecke Alt Ginnheim/Ginnheimer Hohl eingeweiht, die heute als eine der wenigen erhaltenen barocken Dorfkirchen unter Denkmalschutz steht. Dieses teilweise noch bestehende Ensemble soll in Kürze angemessen aufgewertet werden, da es durch bauliche Veränderungen in den letzten Jahrzehnten gelitten hat.
Das Institut für Stadtgeschichte regte auf unsere Anfrage die Gründung eines Geschichtsvereins an, wie in anderen Stadtteilen längst aktiv. Leute aus Ginnheim, die an Geschichte interessiert sind, könnten sich gemeinsam um Berichte und Archivunterlagen kümmern. Einen guten Teil der Vorarbeit haben die Frankfurter Sparkasse und die Bethlehemgemeinde schon geleistet. Aber es gibt noch Spannendes zu entdecken zwischen Bronzezeit und Atomzeitalter in Ginnheim.
Das Nachbarschaftszentrum Ginnheim (NBZ) möchte den Kontakt vermitteln.
Geschichts-Interessierte melden sich am besten erst einmal telefonisch: 53 05 66 79.
| Galerie (bitte die Bilder für vergrößerte Ansicht anklicken) | ||||||
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| Der Gedenkstein |
Die Knochen |
Der Brunnen |
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