Ginnheimer Blättche aktuell, Ausgabe Nr. 15 - April 2003 bis Herbst 2003 I zurück

Lust auf Kaninchen

Wer fände sie nicht süss, die kleinen Langohren mit den samtigen Schnäuzchen! Als Kuscheltiere in der Familie können sie bis zu 15 Jahre alt werden. Kaninchen sind gesellige Fluchttiere, sie brauchen ihre Artgenossen, viel Auslauf und Erdreich zum Röhrengraben.
In der Kriegs- und Nachkriegszeit waren sie begehrte Eiweisslieferanten, und aus dieser Zeit hat sich der Brauch des Kleintierzüchtens erhalten. Die vom Hessischen Kaninchenzüchterverband autorisierten Vereine bekommen nur den Namen „H“ (wie Hessen) und die Nummer der Registrierung.

In der Ginnheimer Waldgasse organisieren zwei Vereine die Zucht, damit die Rassen immer prächtiger werden: Deutsche Widder, Rote Neuseeländer, schwarze Alaska, Englische Schecken, Loh, Hermelin, Kastor Rex, Weissgrannen, und wie sie alle heissen. Tätowierte Ohren stellen die Identität der vierpfotigen Persönlichkeiten sicher.

12 Tiere müssen es schon sein, die jährlich den kritischen Augen der Prüfer zu präsentieren sind. Dazu wählt der/die Züchter/-in die Schönsten aus einer viel grösseren Gruppe aus. „Hervorragend“ oder „ausgezeichnet“ ist der Stolz der Tierhalter. Keine Benotung gibt’s, wenn die Natur statt einem schwarzen Punkt zwei auf die Backe malt. Und selbst die ganz privaten Organe der Rammler müssen der Norm entsprechen, sonst sind Nachkommen unerwünscht. Auf dem rechten Auge blind (kommt auch unter Zweibeinern vor): für Kaninchen heisst das: „nicht befriedigend“ – und meist „Kochtopf“.

Für die Nachzucht werden sowieso nur immer einige wenige über den Winter gefüttert. Geschlachtet wird gemäss dem Tierschutzgesetz mit Schussapparat, dann folgt ein schneller Schnitt durch Kehle, das dauert kaum eine Minute. Spass macht das keinem Züchter, aber bei der sprichwörtlichen Fruchtbarkeit der Kaninchen muss es sein. Trotzdem freut man sich auch mal über einen Wurf von 8 Mischlingskindern.

Zweimal täglich gibt’s in jeder Parzelle der Anlagen Pellets, Kartoffelschalen, Brotrinde, Obst und frisches Wasser. Im frischen Stroh sind Kaninchen reinliche Tiere, nur eine Ecke im Käfig wird verschmutzt. Tierfreunde vergrössern den Lebensraum ihrer Zöglinge, indem sie die Trennwände der Käfige entfernen. Geselligkeit wird aber nur erlaubt, wenn sie das Ziel der Zucht nicht durchkreuzt.

Die Arbeit ruht – wie in jedem Verein - immer auf den Schultern der wenigen Aktiven. Das führt schon mal zu Missstimmung und begründet vielleicht das sprichwörtliche Image der Kleintierzüchter. Dabei ist auch bei denen Geselligkeit angesagt: zum Beispiel, wenn zu Saisonende im Dezember jede Züchterfrau ihr spezielles Kaninchen-Rezept zu verkosten gibt. Im Frühjahr kommt dann eine neue, edlere Generation winzig und blind auf die Welt.

Übrigens sind noch Parzellen zu verpachten an Individualisten, die gern Gemeinschaftsarbeiten übernehmen. Man darf dazu sogar Vegetarier/-in sein.

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