Ginnheimer Blättche aktuell, Ausgabe Nr. 16 - Weihnachten 2003 bis Ostern 2004 I zurück
Sprachen in aller Munde
Es gibt auf dem Erdball kaum eine Sprache und Kultur, die nicht auch von Menschen in Frankfurt gepflegt wird, viele davon auch in Ginnheim. Die Redakteurin findet es ärgerlich, dass nur eine von all diesen Sprachen das Wirtschaftsleben beherrscht, und dass man bei jedem Einschalten unseres sonst so informativen HR 1 mit englischsprachiger Musik übergossen wird. Musikalische Ideen und Kreativität gibt es in allen Kulturkreisen.
Allerdings ist es praktisch, wenn es schlichte Schulenglisch-Kenntnisse ermöglichen, sich mit Leuten aus Australien, Holland, Russland, Schweden, oder sonst woher zu ver-ständigen. Eine international genutzte Sprache hat aber auch Herrschaftscharakter. Fast zwei Jahrtausende lang spielte Latein diese Rolle, abgemildert in der Wirkung, als die römische Militärmacht abgezogen war. Aber auch Wis-senschaft, Justiz und Religion haben das Lateinische als quasi Geheim- und Herrschaftssprache genutzt. Ein paar Jahrhunderte lang war auch das Französische in Europa die Sprache der Gebildeten wers nicht verstand, hatte nichts zu sagen. In Teilen der Welt ist Spanisch, Ende des 15. Jahrhunderts von den Conquistadores eingeführt, noch heute vorherrschend.
Um die babylonische Sprachverwirrung und die damit ver-bundenen Missverständnisse und Feindseligkeiten auf-zulösen, hat der polnische Arzt Dr. Zamenhof 1887 das von fast allen Nationalitäten leicht erlernbare Esperanto erfunden. Wissensdurstige klicken sich mal rein: http://www.esperanto.de. Gedichte, Theater-stücke und Lite-ratur beweisen: in dieser Kunstsprache könnte sich die Menschheit verständigen, ohne dass jemand wegen seiner Muttersprache benachteiligt oder bevorzugt wäre. Zwischen 1 und 10 Millionen auf der ganzen Welt wird die Zahl der Esperantisten geschätzt ein Begriff, der den allermeisten Menschen eher unbekannt sein dürfte. Statt dessen quillt uns überall Englisch entgegen.
Es mag die Sorge um unsere Kultur abmildern, dass die deutsche Sprache genau genommen eine Unzahl von Fremd- und Lehenswörtern enthält, die sich im Laufe von Jahrtausenden hier eingenistet haben. Die Sprachgewohn-heiten haben das Interesse der Menschen an Literatur, Wis-senschaft und Kunst eher gefördert. Und auch stämmiges Brauchtum hat sich ganz unabhängig davon entwickelt. Die Zeiten ändern sich halt und wir ändern uns mit ihnen. Aber das steht auf einem andern Blatt (und stammt übrigens aus dem Lateinischen).