Ginnheimer Blättche aktuell, Ausgabe Nr. 16 - Weihnachten 2003 bis Ostern 2004 I zurück

Weihrauch und Myrrhe
„... und sie fanden das Kind und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe“ - so steht es in der Weihnachtsgeschichte des Matthäus-Evangeliums geschrieben. Diese Geschenke der 3 Könige waren für die damalige Zeit besonders kostbar. Das verwundert nicht bei Gold, aber wussten Sie, daß ein Pfund Weihrauch oder Myrrhe den Wert von bis zu 2 Wochenlöhnen eines römischen Arbeiters hatten?

Weihrauch und Myrrhe sind Harze aus Bäumen der botanischen Familie der Balsambaumgewächse, lateinisch Burseraceae genannt. Weihrauch tritt als milchig-weiße Flüssigkeit nach Einschneiden der Baumrinde der Gattung Boswellia aus und trocknet innerhalb einiger Tage am Baum zum eigentlichen Weihrauch. Die Bäume wachsen in Südarabien, Somalia und Indien, somit an Plätzen, die für die Römer in der Zeit von Christi Geburt fast unerreichbar weit entfernt waren. Das gilt auch für die Gattung Commiphora, deren Harz zu rötlichbraunen Körnern trocknet und dann als Myrrhe bezeichnet wird. Myrrhe wie Weihrauch mussten also in der Antike nicht nur mühselig gesammelt, sondern auch über weite Strecken transportiert werden, womit sich ihr hoher Wert schon zum Teil erklärt.

Wozu aber verwendete man damals diese Harze, warum waren sie so begehrt? Weihrauch wie Myrrhe dienten für religiöse Rauchopfer und als Arzneimittel!

Verbrennt man Weihrauch und Myrrhe, so duftet der Rauch durch darin enthaltene ätherische Öle stark und wohlriechend. Bei langem, intensivem Einatmen von solch aromatischem Rauch können sogar Trancezustände erreicht werden. Beginnend im Ägypten des 4. Jahrtausends vor Christus, ersetzten Rauchopfer von zunächst Weihrauch, später auch Myrrhe zunehmend die früheren Tieropfer. Der aufsteigende Rauch sollte wohl nicht nur symbolisch mit den Göttern verbinden, sondern auch durch die darin enthaltenen Aromen zu religiösen Rauschzuständen führen. In allen antiken Kulturkreisen, von Ägypten und Mesopotamien über Griechenland bis zum römischen Reich, war die Verbrennung aromatischer Harze eine religiöse Handlung und den jeweiligen Göttern geweiht.

Daneben fanden Weihrauch und Myrrhe schon früh medizinische Verwendung. Bereits für Hippokrates im 4. Jahrhundert vor Christus zählte Weihrauch zu den wichtigen Arzneimitteln. Er empfahl ihn u.a. für Einläufe bei Verstopfungen, zur Wundversorgung und, eingeatmet, bei Luftröhrenproblemen. Zur Römerzeit dann wurde Weihrauch auch innerlich, z.B. bei Gicht oder bei Brustschmerzen angewandt. Und Myrrhe wurde zur Zeit Christi ebenfalls zur Wundheilung verwendet, zusätzlich auch bei Lungen- und Nierenleiden eingenommen.

Weihrauch wie Myrrhe blieben bis in die beginnende Neuzeit Arzneimittel, so etwa Weihrauch bei Hildegard von Bingen im 11. Jahrhundert in ihrem berühmten Arzneibuch. Heute hat aber nur noch Myrrhe eine medizinische Bedeutung, und zwar in Form der altbekannten Myrrhentinktur, die bei Entzündungen von Zahnfleisch und Mundschleimhaut angewendet werden kann, und deren Wirkung auf dem desinfizierenden und die Mundschleimhaut zusammenziehenden ätherischen Öl der Myrrhe beruht. Der aromatische Duft brennenden Weihrauchs wird bis heute geschätzt, in katholischen Gottesdiensten, besonders auch an Weihnachten in der Christmette. Neuerdings ist Weihrauch aber auch wieder als ein möglicher Lieferant von Arzneistoffen ins Blickfeld gerückt. Man forscht, ob im Weihrauch enthaltene Stoffe möglicherweise eine entzündungshemmende Wirkung entfalten, um chronisch-entzündliche Krankheiten wie z.B. Arthritis damit behandeln zu können.

Der Wert von Weihrauch und Myrrhe reicht heute bei weitem nicht mehr an den von Gold heran. Und noch etwas hat sich geändert: Während nach den damaligen Gebräuchen die Kostbarkeit der Geschenke der 3 Könige ein Zeichen ihrer hohen Wertschätzung des Kindes in der Krippe war, so sollte uns gerade dieses Kind gelehrt haben, Schenken und beschenkt Werden mit anderen als materiellen Augen zu sehen.

Daß Sie in diesem Sinne frohe Weihnachten sowie ein glückliches und vor allem gesundes Jahr 2004 erleben, dies wünscht Ihnen

Ihre Barbara Braun-Ottes und das
Team der Falken Apotheke

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