Ginnheimer Blättche aktuell, Ausgabe Nr. 17 - Ostern 2004 bis November 2004 I zurück

Schnäppchen – oder haben Sie Geld für Billiges?
Die Zufriedenheit der Konsumenten ist in den letzten Jahren von ca. 50 % auf 31 % gesunken. In dieser Zeit hatten viele Unternehmen nichts Wichtigeres auf der Agenda als Sparen, Sparen und nochmals Sparen. Ein guter Manager ist der, dem es gelingt, in kürzester Zeit die Zahl der Mitarbeiter drastisch zu reduzieren – am besten schliesst er gleich ein ganzes Werk. Es ist billiger, in Fernost herzustellen und übern halben Erdball hierher verfrachten zu lassen. Im Sommer 2003 beobachtete die Verfasserin riesengrosse Container-Sattelzüge mit chinesischen Schriftzügen auf den Bordwänden beim Holzladen im Spessart. Aus den Stämmen werden in China bei 5 € – Tagelöhnen Massivholzmöbel. Die finden Sie dann hier im Versandhauskatalog „aus heimischer Buche“ zu unfassbar niedrigem Preis. Ehrliche Produkte halten solchen Schleuderpreisen nicht stand. Die Hersteller von guten Artikeln, die sich auch der/die Normalsterbliche leisten kann, müssen angesichts der Nachfrage nach „Billigem“ aufgeben oder – mit Abstrichen bei der Qualität – in anderen Weltregionen produzieren lassen.

Die Bezugsquellen für den qualitätsorientierten Handel sind inzwischen rar geworden. Während die Kundschaft froh zur Billigware greift, wird vergessen: „Schnäppchen“ bezahlen wir mit Einbussen an Qualität, Service und heimischen Arbeitsplätzen. Mit ausverkauft wird die Würde der produzierenden Menschen und Sozial- und Umweltstandards, die für uns bislang selbstverständlich waren. Wer billige Ware kauft, riskiert, dass das Zeug nichts taugt, und dass er obendrein unfreundlich abgefertigt wird. Sind solide Qualitäten und erfahrenes, freundliches Personal erst einmal vom Markt verschwunden, wen wundert’s, dass Verbraucher/innen dann keinen Spass mehr am Einkauf haben?

Wahrscheinlich kennen auch Sie dieRegeln in diesem Spiel: Kostet einArtikel irgendwo nur die Hälfte, dürfte Anderes dort teurer sein, denn jeder Laden muss auf seine Kosten kommen. Oder die grosszügigen Rabatte gewährt man auf überhöhte Preise. Haben die Ladenketten erst die kleineren Wettbewerber platt gemacht, diktieren sie auch die Preise. Preis – bewusste Verbraucher/-innen suchen nicht dauernd nach „Schnäppchen“. Sie machen sich kundig, wo es fürs knappe Geld gibt, was sie wirklich brauchen. Das muss zweckmässig sein und langlebig, praktisch, und möglichst auch schön.

Drehen Sie bewusst den Euro zweimal um, und prüfen Sie, wo man auf Ihre Wünsche eingeht. Aber Geld, Zeit, Aufwand und Nutzen müssen dabei in einem vernünftigen Verhältnis stehen!

Während sich Ginnheimer Geschäfte noch um Qualität und Service bemühen, studiert manche/-r die Wurfzeitung mit den nächsten „Sonderangeboten“. Dass es Besseres zu ähnlichem Preis gleich um die Ecke gibt, und dass Sie hier jemanden finden, mit dem sich reden lässt, darauf möchten wir – Ihre Ginnheimer Geschäfte – Sie wieder einmal aufmerksam machen.
Redaktionsschluss fürs 18. Ginnemer Blättche ist am 10. Oktober 2004.

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