Film: „Mädchen aktiv im Stadtteil“
Was die Älteren in ihrer Kindheit noch hatten, dazu brachten wir im Ginnemer Blättche Nr. 18 die Glosse „Kindheit: Genau so war das!“ Kinder erleben ihre Jugendzeit heute in einem engen Korsett von Terminen und kaum verstandenen Pflichten.
Das Mama-Taxi bringt gut behütete Kleine liebevoll zur Schule, weil die vielen Autos (der vielen Mama-Taxis?) für radelnde Schüler/-innen zu gefährlich wären. Damit sie nicht auf dumme Gedanken kommen, fährt man sie zum Reiten, zum Musik- oder Sportunterricht ...
Für selbständige Erfahrung mit den eigenen kindlichen Torheiten fehlt Freiraum und Zeit. Den Rest an Kreativität erledigen die Bildschirm-Medien. 14Im Rahmen eines Projekts der Ginnheimer Agenda Grup-pe drehten Mädchen einen Film übers Jung sein in Ginn-heim. Kreative Aufgabe war es, filmisch darzustellen, was Heranwachsende hier so alles vermissen, bzw. was sie sich für eine ausgefüllte Jugendzeit wünschen.
Die jungen Damen leisteten ganze Arbeit, zu wünschen gab es eine Menge: Schwimmbad, Spielplatz, Jugendclub, Dis-cos und vieles mehr. Dass wir hier in Ginnheim ver-gleichsweise noch recht gut dran sind das war nicht Thema des Films. Tief getroffen hat die Kritik diejenigen, die sich von Berufs wegen mit viel Engagement darum bemühen, Jugendlichen In-Halte zu geben.
Und das ist in der heutigen Zeit keine leichte Aufgabe. Häufig sind Profis konfrontiert mit einer jugendlichen Null-Bock-Haltung. Vielen Heranwachsenden fehlt Gelegen-heit und/oder Motivation, die eigenen Fähigkeiten sinnvoll und positiv zu entwickeln (sei es Geschicklichkeit oder Gewaltpotential). Wenn Schwierigkeiten auftreten, begleiten Sozialarbeiter/-innen ihre Schäfchen auch mal zum Lehrer, zum Arbeitsamt oder gar zum Jugendrichter.
Für 2006 schlagen wir ein Mädchen- (oder Jungen-?) Projekt vor: filmt mal all das, was in Ginnheim geboten wird! Erwachsene kennen das ja nur wenn überhaupt von „außen vor“: Abenteuerspielplatz Coloradopark an der Raimundstr., Kinderzirkus Zarakali, Jugendclub Stefan-Zweig-Str., Spatz-Platz Ginnheimer Hohl, JUZ Ginn-heimer Landstr., Spielplatz Am Ginnheimer Wäldchen, BUGA-Gelände ... Wer findet mehr, wer filmt die versteckten Ecken für Freiheit und kleine Abenteuer? Es muss nicht unbedingt das konsumfreudige Nordwest-Zentrum sein, wo auch Mädchen einen unverabredeten Schwatz halten können, ohne kontrolliert, „angemacht“ oder rausgeworfen zu werden.
Der Film hat Folgen: Es wird tatsächlich diskutiert, wo es einen wettergeschützten, heimeligen Platz gibt, wo junge Leute sich treffen können. Vor langer Zeit saß man in der Freizeit in der Ginnheimer Hohl an der Weed zusammen deren Reste wurden vor einigen Jahren unangekündigt abgeräumt.