Ginnheimer Blättche aktuell, Ausgabe Nr. 21 - Ostern 2005 bis November 2006 I zurück
Eine "Römerbrücke" über die Nidda
Ginnheims schöne Lage an der Nidda mit ihren Wiesen ist weithin beliebt. Jenseits des Flüsschens grüßt die Spaziergänger die Ende der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts durch Ernst May und andere Architekten errichtete Siedlung "Römerstadt". Der Name deutet auf die Bebauung vor zweitausend Jahren hin. Die Reste des "teutschen Pompejis" wurden durch diese Neubauten weitgehend vernichtet. Einige Zeugnisse finden wir noch im Frankfurter Archäologischen Museum.
Das römische NIDA war Hauptort des Verwaltungsbezirks CIVITAS TAUNENSIUM, der von Hofheim bis in die Gegend von Bad Nauheim und Butzbach und im Osten bis nach Hanau reichte. Die von dieser Stadt in alle Himmelsrichtungen führenden Straßen waren von römischen Soldaten errichtet worden. Über die schiffbare Nidda mit einem kleinen Hafen am Ende der heutigen Hadrianstraße führten drei Brücken.
Eine davon, aus dem 2. Jahrhundert, befand sich zufällig und recht originell ziemlich genau an der Stelle, an der im Jahre 2001 eine Fußgänger- und Radfahrerbrücke nahe der Rosa-Luxemburg-Straße zwischen Heddernheim und Ginnheim erneuert wurde. Seit diesem Jahr heißt sie jetzt „Römerbrücke".
Über diese Niddabrücke führte eine römische Straße, die mit Gräben 7,75 Meter breit war, zum römischen Truppenstützpunkt auf dem Domhügel. Die dort stationierten 100 römischen Soldaten bewachten die Furt über den Main und den Stapel- und Umschlagplatz entlang der nordmainischen Vormarschstraße.
Fünfeinhalb Kilometer war diese schnurgerade Straße lang. Bei einem Blick auf den heutigen Stadtplan kann man gut erkennen, dass sie auch durch Ginnheim führte. Nicht allgemein bekannt sein dürfte, dass sich in der Füllerstraße noch der Verlauf der römischen Straße nachverfolgen lässt. Als kleine Zugabe zu dieser alten Geschichte entdeckten 1911 Archäologen auf dem Grundstück Nr. 60 Reste eines römischen Gutshofes, VILLA RUSTICA genannt.
Ein solcher Wirtschaftshof mit zahlreichen Nebengebäuden war ein völlig autarker Betrieb, sogar mit eigenen Badegebäuden und einem eigenen Friedhof. Dieser mag in Ginnheim noch nach der römischen Herrschaft bestanden haben. So war es nicht verwunderlich, dass beim Bau der Gästehäuser der Deutschen Bundesbank im Jahre 1991 auf dem Gelände zwischen Peter-Böhler- und Füllerstraße acht fränkische Reihengräber durch die Archäologische Denkmalpflege ausgegraben wurden.
Die römische Straße führte weiter nahe der Deutschen Bundesbank über die Wilhelm-Epstein-Straße. Dort floss vor dem Straßenbau der Marbach am Bockenheimer Friedhof vorbei in den Ginnheimer Woog. Der Bach bildete zugleich die Grenze zwischen Bockenheim und Ginnheim. Um 1890 waren im "Marbachtälchen" noch Spuren dieser römischen Straße zu erkennen.
Wie lange solch' eine Trasse sich mitunter erhält, kann jeder Autofahrer bemerken, der die A 66 nach Wiesbaden benutzt: Vom Eschborner Dreieck bis zur Kurve bei Zeilsheim folgt sie noch heute der römischen "Platea novi vici" von NIDA als Verlängerung der Praunheimer Heerstraße.
Diese Straße nach Westen stellte die direkte Verbindung von NIDA über Hofheim zur römischen Hauptstadt der Provinz Germania Superior dar. Mogontiacum nannten sie die Römer, nach dem keltischen Gott Mogon. Wir kennen die Stadt heute als das "goldene" Mainz.
Jürgen W. Fritz