Werbung & Reklame Bedarf oder Bedürfnis?
(fl) Ein Unternehmen kann das fairste Angebot der Welt haben. Wenn die Kundschaft das nicht weiß, ist alle Anstrengung vergeblich. Werbung ist unverzichtbar in unserer Wirtschaft und nützt auch Ihnen. Reklame dagegen fällt uns oft auf die Nerven. Der Unterschied: Werbung informiert über das, was wir brauchen (könnten), Reklame ist aufdringlich und will nicht vorhandenen Bedarf wecken.
Deshalb wacht bei der Frankfurter Bauaufsicht eine eigene Abteilung darüber, dass Werbeschilder wenigstens ordentlich aussehen. Alle Schilder, die größer sind als 0,4 qm, werden von den strengen Augen der Sachbearbeiterinnen geprüft. Was diese Damen nicht für gut befinden, wird nicht genehmigt. Und auch für die Beleuchtung dieser Schilder werden strikte Auflagen gemacht von wegen 40-Watt-Glühbirne und Lichtverschmutzung. Natürlich kostet so ein Verwaltungsakt den Antragsteller auch bares Geld.
Ein kleines Beispiel dafür, was gerade noch genehmigt werden kann, ist das schmiedeeiserne Schild des Ecklädchens, Ginnheimer Land- / Ecke Heinzstraße, wo auch die Postagentur untergebracht ist. Ein Firmenschild, das in den Proportionen zum Backsteingebäude gepasst hätte, durfte vor ein paar Jahren nicht angebracht werden. Einen Denkmal- oder Ensembleschutz gibt es jedenfalls dort nicht, wie uns der zuständige Denkmalschützer versicherte.
Ein großes Beispiel dafür, was offenbar keiner Prüfung unterliegt, sind die riesigen, leuchtenden Reklametafeln, die ständig wechselnd alle (un-)möglichen Produkte präsentieren. Das Ginnheimer Ortsbild hat im Laufe von Jahrzehnten an vielen Stellen massive Beeinträchtigungen hinnehmen müssen. Scheinbar kommt’s nun nicht mehr drauf an.
Verlautbarungen zu Folge wurden die Rechte zur Vermarktung sämtlicher Werbeflächen in Frankfurt einer Werbeagentur übertragen. Als Gegenleistung sollte die Stadt mit einer ausreichenden Zahl properer Klo-Häuschen versorgt werden. An der Endhaltestelle der U1 wechseln täglich vielleicht 2000 Menschen oder mehr zwischen U-Bahn, Straßenbahn 16, Bus 39 oder 64, abgesehen von den vielen, auch älteren Ginnheimerinnen und Ginnheimern, die dort zu Fuß unterwegs sind. Da fehlt solch eine Einrichtung ganz dringend.
Früher hieß es, dafür sei kein Geld da. Dann hieß es, dort sei kein Platz. Nachdem die Pläne für die U-Bahn D-Linie gestrichen sind, dürfte beides kein Problem mehr sein. Zumal sich das Toilettenhäuschen aus der Vermietung der Werbeflächen finanzieren sollte, mit denen Ginnheim nun heftig „gesegnet“ wurde sehr zum Nachteil des Ortsbilds.